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Automatische Fahr- und Bremssteuerung AFB

Die AFB hat die Aufgabe, die Geschwindigkeitsvorgaben, welche durch den Tf mit dem Vsoll- Steller oder die Linienzugbeeinflussung LZB vorgegeben werden, einzuregeln.

Sie überwacht sich durch eine Überwachungsschleife selbst.

Gleichzeitig begrenzt sie die Fahrzeughöchstgeschwindigkeit in Abhängigkeit der Indusi- Zugarten auf 160 km/h (obere Zugart), 120 km/h (mittlere Zugart) und 100 km/h (untere Zugart).

Die AFB wird durch den Tf mittels eines Schalters an der linken Führertischsäule eingeschaltet. Dabei führt die AFB einen Selbsttest durch. Es muß die Sprachausgabe "AFB" erfolgen und die Geschwindigkeit Vsoll=100 km/h angezeigt werden. Abweichungen bis      5 km/h sind zulässig.

Muß die AFB während der Fahrt eingeschaltet werden, so muß der Vsoll- Steller auf eine hohe Geschwindigkeit eingestellt werden, da sonst nach Ablauf der Selbstprüfung sofort eine Bremsung eingeleitet wird. Der Zugkraftsteller muß dabei in der Nullstellung sein.

Die AFB regelt die Funktionen Fahren und Bremsen in Abhängigkeit der durch den Tf in die Indusi eingegebenen Zugdaten, d.h. Anfahrt bei langen Zügen hohe Zugkraft für längere Zeit als bei kurzen Zügen. Beim Bremsen werden wiederum die Bremsart und die vorhandenen Bremshundertstel als maximale Bremskraftvorgabe verwendet, also ist eine Abhängigkeit von den Füll- und Lösezeiten der Bremsarten R, P und G vorhanden. Beim Bremsen wird auch auf die indirekte Bremse automatisch zugegriffen, d.h. die AFB gibt eine Bremsanforderung an die Bremsrechner aus und die indirekte Bremse wird angesteuert. Bei geringen Geschwindigkeitsreduzierungen wird nur die elektrische Bremse genutzt.

Im Betrieb ohne LZB stellt der Tf die Geschwindigkeitssollwerte mit dem Vsoll- Steller ein. Die maximal einstellbare Geschwindigkeit ist die in die Indusi vom Tf eingegebene bzw. von der Indusi akzeptierte (Zugarten siehe oben). Die Zugkraftvorgabe regelt der Tf mit dem Zugkraftsteller.

Im Betrieb mit LZB- Vorgaben stellt der Tf den Vsoll- Steller auf den oberen Anschlag. Die AFB regelt die Geschwindigkeit nun in Abhängigkeit der LZB- Vorgaben. Bei gleichzeitiger Vorgabe von Vsoll durch den Vsoll- Steller erfolgt eine Minimalwertauswahl, d.h. der niedrigere Wert von Vsoll- Steller oder LZB- Vorgabe wird eingeregelt. Im MFA wird aber als Sollwert stets die LZB- Vorgabe angezeigt. Will der Tf jedoch langsamer als die LZB- Vorgabe fahren, betätigt er den Taster "G" im MFA. Während der Betätigung wird nun der Sollwert des Vsoll- Stellers angezeigt und der Tf kann diesen nun auf einen niedrigeren Wert einstellen. Nach Loslassen des Tasters "G" wird nun wieder die LZB- Vorgabe angezeigt, jedoch wird der geringere Wert vom Vsoll- Steller eingeregelt.

Die Funktion Bremsen kann vom Tf bzw. von der LZB durch Absenkung der Vorgaben aktiviert werden.

Vom Tf wird die Funktion aktiviert, indem der Vsoll- Steller auf einen niedrigeren Wert wie der Istwert eingestellt wird. Diese Art der Bremsung eignet sich im Betrieb ohne LZB- Vorgaben nur für Geschwindigkeitsreduzierungen, nicht jedoch für das Bremsen auf Halt- zeigende Signale oder zum Anhalten an Bahnsteigen. In der Bremsart R und P kann der Tf auf eine Faustformel zugreifen:

Geschwindigkeitdifferenz Vsoll- Vist x 20m + 800m = Bremsweg in Meter. Das heißt bei einer Geschwindigkeitsabsenkung um 40 km/h: 40 x 20m + 800m = Bremsweg 1600m. Der Tf muß also 1600 m vor dem Beginn der niedrigeren Geschwindigkeit diesen Wert mit dem Vsoll- Steller eingestellt haben.

Greift der Tf in die AFB- Bremsung selbst ein, so muß er diese Bremsung selbst weiterführen bis die neue Geschwindigkeit erreicht ist. Um wieder auf die AFB zurückgreifen zu können ist eine Fahrschalterquittung erforderlich, d.h. der Zugkraftsteller muß auf Null geschalten und zum Fahren wieder ausgelegt werden.

Beim Bremsbetrieb mit LZB- Vorgaben bewirkt die AFB bei Vorgabe Vziel = 0 km/h eine Bremsen bis zum Stillstand des Zuges. Das erneute Anfahren bei einer neuen Vorgabe Vziel > 0 km/h ist nur nach einer Fahrschalterquittung möglich.

Wird vom LZB- in den PZB- Betrieb übergegangen, ist nach Erlöschen des Leuchtmelders "Ü" im MFA eine Vsoll- Stellerquittung erforderlich. Das ist auch erforderlich nach einem LZB- Übertragungsausfall.

Im Stillstand des Zuges wirkt die AFB- Haltebremse. Dabei wird die direkte Bremse des Tfz angesteuert und diese wirkt mit einem Druck von 4,4 bar. Diese Haltebremse löst aus, wenn nach erfolgter Fahrschalterquittung eine erneute Zugkraftvorgabe durch den Tf erfolgt.

Außer bei den Triebfahrzeugen 146 003 bis 006, bei diesen erfolgt die Softwareänderung noch, wird zur Unterstützung der Haltebremse unter Umständen auch die indirekte Bremse im Stand mit angesteuert. Das geschieht, wenn die AFB in der Annahme ist, daß die direkte Bremse zum Festhalten des Zuges nicht ausreicht. Es geschieht in der Regel, wenn mit einem etwas stärkeren Halteruck angehalten wird. Diese Funktion ist auf die Ausführung der Scheibenbremse an den Tfz zurückzuführen. Diese Scheibenbremsen erreichen durch den momentan gültigen Bremszylinderdruck wahrscheinlich nicht die Festhaltewerte, welche erforderlich wären schwere Züge in starkem Gefälle (z.B. IC`s mit 13 Wagen in der Zufahrt zum Frankfurter Flughafenbahnhof) sicher festhalten zu können. Deshalb wird zusätzlich die indirekte Bremse angesteuert. Bei dieser Annahme bin ich mir jedoch nicht sicher, es könnten also auch andere Gründe die Hinzunahme der indirekten Bremse erforderlich machen. Auch kann ich keine Aussagen zur Wirkung bei den Baureihen 145 und 185 machen, da mir dafür die Informationen fehlen.

Da die AFB von den Zugdaten der Indusi abhängig ist, kann mit wirkenden Grunddaten die AFB nicht genutzt werden. Ein Betrieb mit Ersatzzugdaten ist dagegen möglich.

Bei Störungen in der AFB erfolgt eine Diagnosemeldung mit Sprachausgabe "AFB". Der Tf hat die Einrichtung dann abzuschalten und seine Geschwindigkeiten selbst zu regeln. Eine Zwangsbremsung durch die AFB erfolgt bei Geschwindigkeitsüberschreitung nicht, jedoch durch die Indusi bzw. LZB bei Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeiten.

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letzte Bearbeitung dieser Seite: 08.01.2003